46 Jahre in erster Hand
Steve Smashey ist der zweite Erstbesitzer eines GLAS 1700 GT. Er wohnt mitten in den Bergen in einer herrlichen Landschaft auf einer Ranch im Frazier Park. Dieser liegt ungefähr 80 Meilen nordwestlich von Los Angeles.
Er erwartete uns bereits am Eingang. Zuerst entdeckten wir einen Ford Pickup mit 8 Zyl. Flathead-Motor Baujahr 1940. Der 74 Jahre alte Wagen war komplett mit Flugrost überzogen, war aber voll fahrbereit und original. Eine herrliche Patina. Steve nutzt ihn jeden Tag und hatte ihn aus erster Hand gekauft.
In der benachbarten Scheune stand der GLAS 1700 GT, der in einem sehr guten Zustand und fahrbereit war. Er hat ihn viele Jahre im Alltag genutzt und dann eingelagert. Vor acht Jahren hat er ihn dann wieder herausgeholt und fahrfertig gemacht. Er hat auch noch ein anderes Hobby, nämlich mit einem superschnellen Wagen auf den Salzseen Rennen zu fahren. Mit einem 4-Zylinder Motor hat er den Rekord für den schnellsten Wagen in seiner Klasse erreicht.
Wir verbrachten einige Stunden bei Steve, in denen er uns die Geschichte seines GLAS erzählte. Darüber werden wir demnächst berichten. Am späten Nachmittag mussten wir weiter, denn wir wurden wieder erwartet.
25 Autos warten auf Roy Marson
Ca. 30 Meilen vor Los Angeles wohnt Roy Marson mit seiner Frau Carol auf einem riesigen Grundstück, welches er zum größten Teil an eine Gärtnerei vermietet hat. Am Eingang standen ein seltener DKW 1000 Universal und zwei Citroën ID 19 Break mit entsprechender Patina. Roy begrüßte uns ganz herzlich und führte uns durch sein Grundstück, wo er 25 Fahrzeuge beherbergt. Die Fahrzeuge befanden sich in jeglichem Zustand, die oft noch mit viel Arbeit auf eine Restauration warten.
Der GLAS 1700 GT stand in einer Halle und Roy hatte ihn extra für uns gewaschen. 2002 hatte er den nicht fahrbereiten GT für 1.100 $ gekauft. Zuerst musste er ihn zum Laufen zu bringen. Zu einem Deutschland Besuch 2005 in Dingolfing hatte er die Vergaser mitgenommen und wollte sie dort richten lassen.
Doch er hatte nicht genug Zeit und so nahm er sie wieder zurück in die USA. Hier fand er dann einen Spezialisten, der die Vergaser überholte. Anschließend baute er noch ein anderes Getriebe ein. Dann brachte er den Wagen nach Mexiko, wo er die Innenausstattung und den Himmel erneuern ließ. Leider hatte Roy beruflich so viel zu tun, dass der GLAS auf weitere Restaurationsarbeiten warten musste. Doch bald hört Roy auf zu arbeiten und dann will er den GLAS wieder in Angriff nehmen. Nach einem gemeinsamen Abendessen verließen wir unsere sympathischen Gastgeber und fuhren am nächsten Morgen direkt nach Los Angeles.
Auf über 1.200 qkm breitet sich die Stadt mit ihren Vororten aus. Die auf beiden Seiten sechsspurige Autobahn war vollgestopft mit Fahrzeugen, eine kilometerlange Schlange erwartete uns. Aber man hatte hier ein System ausgeklügelt, das Fahrzeugen erlaubte, wenn sie mit mehr als einer Person besetzt waren, auf einer separaten Express-Spur an der ganzen Schlange vorbeizufahren. Das half uns enorm und wir sahen jetzt erst richtig das Ausmaß des Verkehrschaos‘. Los Angeles hat sicher eines der größten Verkehrsaufkommen der Welt. Da es nur einen schwach ausgebauten öffentlichen Nahverkehr gibt, benutzt jeder sein Auto und es kommt zu diesen riesigen Staus. Aber die Menschen nehmen es gelassen, sie kennen es ja nicht anders.
Die Stadt zeigte dann ihren ganzen Reichtum mit wunderbaren Villen in Beverley Hills und vielen anderen Stadtvierteln. Im dichten Verkehr konnte man immer wieder schöne alte Ferrari, Maserati, Porsche und vieles mehr entdecken. Wir fuhren auf den berühmten Straßen wie Sunset Boulevard und dem Hollywood Boulevard, wo wir den Eingang vor dem Chinesischen Theater besuchten. Dort hatten viele berühmte Schauspieler sich mit ihren Hand- und Fußabdrücken verewigt. Auf dem Rodeo Drive befinden sich die teuren Geschäfte, in welche bestimmt viele Frauen gerne einmal einen Blick werfen würden.
Nur 1.000 Meilen in 40 Jahren
In Santa Ana, ca. 40 Meilen südöstlich von Los Angeles, trafen wir Tom Lansberry. Ein Freund von ihm hatte den GLAS 1967 neu gekauft. Später verkaufte dieser ihn an einen weiteren Freund, der ihn für seine Frau haben wollte. Zu dieser Zeit lief der Wagen nicht, da der Lüfter den Kühler zerstört hatte. Tom half, den Wagen wieder zu reparieren und auf die Straße zu bringen. Die Frau des Freundes wollte den ehemals weißen Wagen gern in Silber haben und so wurde der Wagen umlackiert. Doch leider konnte die Frau aufgrund einer Operation das manuelle Getriebe nicht mehr bedienen.
So konnte Tom den GLAS dann im Jahr 1973 kaufen. Zu diesem Zeitpunkt zeigte der Tachometer ganze 35.250 Meilen an. Heute, 40 Jahre später, sind dort genau 36.284 Meilen abzulesen!
Im Laufe der Jahre blätterte das Silbermetallic ab und Tom ließ den GT wieder in dem originalen Weiß lackieren. 1975 wurde sein Haus gebaut und der GLAS zog mit in die Garage ein, wo er viele Jahre unberührt verbrachte. In dieser Zeit war er immer angemeldet und konnte jederzeit gefahren werden. Als 2005 in der Garage ein Feuer ausbrach, wurde der Lack beschädigt. Daraufhin ließ Tom den Wagen schwarz grundieren. Auch die Windschutzscheibe wurde beim Brand zerstört. Er hat sie durch eine Plexiglasscheibe ersetzen lassen, da es in den USA keine passende Glasscheibe gab. Bisher hat Tom sich noch nicht entschieden, welche Farbe das Fahrzeug erhalten soll. Jetzt möchte er gern den Wagen verkaufen.
Wir haben den Wagen Probe gefahren. Der Motor läuft fantastisch mit sehr großer Laufruhe. Die Karosserie sieht rostfrei aus. Einige Blasen auf der Motorhaube könnten durch fehlerhafte Lackierung entstanden sein. Einiges wie z.B. alle Gummiteile muss erneuert werden. Fazit: Eine gute Basis, die keine Schweißarbeiten benötigt, aber sonst noch etwas Arbeit und eine Lackierung braucht.
Besuch bei einem Karmann Ghia
Nun stand in Kalifornien nur noch der Besuch bei Doreen und Peter Friedrichsen an. Peter war früher Mitglied im GLAS Automobilclub und er besaß den gelben GLAS 1300 GT, den Chris Wider 2010 gekauft hatte. Er ist aus Deutschland ausgewandert und hatte in Los Angeles eine Volkswagen-Vertretung betrieben. Jetzt lebt er mit seiner Familie in den Bergen in der Nähe von Los Angeles. Mit einem GLAS konnte er nicht mehr aufwarten, aber er zeigte uns ein wunderschönes VW Karman Ghia Cabrio Baujahr 1959. Dieses hatte er Anfang der 60er Jahre seiner Frau geschenkt. Der Wagen war im Originalzustand mit einer wunderschönen Patina. Wir verbrachten mit dem Ehepaar einen sehr schönen Nachmittag und zusammen genossen wir ein tolles Abendessen.
Wir haben auf unserer Tour sehr viel gesehen und sehr viele nette Menschen, die durch die Marke GLAS und den Club verbunden sind, kennengelernt. Unbeschreibliche Eindrücke sind uns geblieben. Leider konnten wir nicht noch mehr Mitglieder besuchen, dafür hat die Zeit nicht gereicht.
