Axel Coelln sagte mal zu mir, dass er gern mit dem Zug quer durch Amerika reisen und die Westküste besuchen würde. Ich war von dieser Idee begeistert und gemeinsam setzten wir sie in die Tat um. Im Westen wollten wir möglichst viele GLAS Clubmitglieder besuchen. Es wurde ein einmaliges Erlebnis. 3.000 Meilen mit dem Zug, 2.200 Meilen mit dem Cabrio an der Küste entlang und dann wieder mit dem Flugzeug zurück nach New York.

 

 

 

 

Der Zug hielt alle paar Stunden für die RaucherAm 8. Oktober 2013 war es soweit. Ich flog nach New York und einen Tag später ging es bereits mit dem Zug nach Chicago. Dort angekommen fuhren wir mit dem „Empire Builder“, einem berühmten Zug, durch die Rocky Mountains nach Portland in Oregon. Knapp drei Tage hatte diese Fahrt mit Schlafwagen und einem Aussichtswagen gedauert. Diese beeindruckende Reise führte durch die unterschiedlichsten Landschaften.

 

Axel im AussichtswagenErstes Treffen mit David Rives (rechts) und Ted Davis

Am Ziel bekamen wir unseren Leihwagen, ein rotes Chevrolet Camaro Cabriolet - Wow! Kaum hatten wir den Wagen übernommen, hatten wir bereits den ersten Termin mit den GLAS Clubmitgliedern David Rives, der mit seinem weißen GLAS 1700 GT gekommen war und Ted Davis, der einen BMW 1600 GT besitzt. Wir trafen uns in Widmers Brauhaus, einer deutsch nachempfundenen Gaststätte mit eigener Brauerei. Nach einem amerikanischen Bier und einer kleinen Stärkung fuhren wir zu David Rives nach Hause.

Meinen GLAS lasse ich niemals allein!

Schöner GLAS GT von David RivesDavid Rives ist ein alter Freund von uns, denn er hatte uns bereits mehrere Male auf einem GLAS Treffen in Deutschland besucht. Er liebt sein Auto und er würde es nie unbewacht auf der Straße stehen lassen. Bereits vor zehn Jahren hat er den Wagen erworben. Karosserie und Innenausstattung befinden sich in einem sehr guten Zustand. Es fehlt noch an einigen wenigen Details, dann kann sich der Wagen wirklich sehen lassen. Das Auto wurde von uns begutachtet und wir haben ihm gesagt, was er noch verbessern könnte. Wir werden ihm dabei helfen, die fehlenden Teile zu finden. Anschließend zeigte er uns seine Literatursammlung, die aus vielen Heften des früheren amerikanischen GLAS Clubs besteht. Aber David sammelt nicht nur alles über GLAS, auch eine riesige Schallplattensammlung bekamen wir zu sehen.

Voll motiviert liegt David unter dem GLAS
David ist Englischlehrer und er hat in Freiburg/Deutschland einige Semester studiert. Deutsch ist also kein Problem für ihn. Mittlerweile arbeitet er als Vorsitzender für eine große Lehrergewerkschaft.


Wir hatten eine schöne Zeit mit ihm. Als wir ihn am nächsten Tag wieder besuchten, war er so motiviert von unserem Besuch, dass er bereits unter seinem GLAS lag und versuchte, den Auspuff zu richten. Wir besuchten anschließend mit ihm zusammen Ted Davis.

Ein Jugendtraum wurde wahr

Begutachtung des BMW GT

Ted Davis (rechts) stolzer Besitzer
Ted Davis
war früher einmal Mitglied und ist jetzt wieder dem Club beigetreten. Bereits als junger Mann war er vom BMW 1600 GT begeistert und er zeigte uns als erstes seine Prospektsammlung aus früherer Zeit. Vor einigen Jahren kaufte er sich einen BMW GT und erfüllte sich somit seinen Jugendtraum. Der Wagen wurde vollkommen entlackt, an einigen Stellen geschweißt und dann in der Originalfarbe Turf perfekt lackiert. Ted legt sehr viel Wert darauf, seinen Wagen in absoluten Originalzustand zu versetzen. Auch ihm werden wir helfen, die noch fehlenden Teile zu besorgen. Ansonsten verkauft Ted Wohnwagen. Er hat eine Firma für wunderschöne Modelle von Airstream.

 

 

Redwood Forest              

Napa Valley
Am nächsten Tag stand Sightseeing auf dem Programm und wir besuchten den Redwood Forest. Riesige zum Teil über 1.000 Jahre alte Bäume erwarteten uns. In einem Gebiet standen sie so dicht beieinander, dass es trotz Tageslicht stockdunkel im Wald war.

Wir verließen Oregon und fuhren weiter gen Süden. In Kalifornien besuchten wir zuerst das Napa Valley, wo deutsche Einwanderer das sonnige Tal für den Weinanbau entdeckt haben. Das Gebiet ist sehr berühmt und wird von vielen Touristen besucht. Der Wein ist hervorragend und weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Anschließend ging es weiter zu Bill Watson, der uns schon erwartete.


 

 

Der Rennsport ist seine große Leidenschaft

Bill Watson und sein 245PS MotorBill Watson betreibt an der Rennstrecke von Sonoma – sie liegt ca. 50 km nördlich von San Francisco – eine Tuningwerkstatt für historische BMW-Fahrzeuge der 70er und 80er Jahre. Er besitzt drei GLAS 1700 GT, die alle restauriert werden müssen. Er will diese Wagen auf BMW-Technik umrüsten. Aus einem möchte er einen Rennwagen aufbauen, ein zweiter ist für sich bestimmt. Er liebt das Design von GLAS, aber die Technik von BMW.

Wir sagten ihm, dass es sehr aufwendig werden würde, in einen GLAS die komplette BMW-Technik einzubauen. Er nickte nur und meinte, dass er dieses Problem schon lösen würde. Am Ende unseres Besuches waren wir davon überzeugt, dass Bill in der Lage sein wird, diesen Umbau vorzunehmen.

Rennsportwagen ohne EndeZuerst zeigte er uns einige Werkstätten von befreundeten Firmen, die in unmittelbarer Nähe historische Fahrzeuge restaurierten. Dort hatte er gerade einen 4-Zylinder BMW Motor M10 mit 2,3 Liter Hubraum auf dem Prüfstand. Er leistet nach Messung 245 PS. Solch einen Motor möchte er auch in den GLAS einbauen. In der nächsten Halle, wartete und reparierte Tom mit einem Partner klassische alte Formel 1 Fahrzeuge. Berühmte Rennfahrer wie Mario Andretti oder Ayrton Senna hatten früher in den Cockpits gesessen. Ich fragte die beiden, woher sie denn die Ersatzteile bekämen. Beide lachten: „Die machen wir selbst!“

Dann kamen wir zu Jon Ennek. In seiner Halle waren großartige Schätze zu sehen, die von ihm und seiner Mannschaft restauriert werden. Hier standen viele Bugatti T 35 und ein ganz rarer Bugatti Atlante. Außerdem gab es ein seltenes Lancia Aurelia B24 Cabrio zu sehen. Auch Formel 1 Wagen standen dort. Zwei Chevron waren gerade für ein Rennen fertig gemacht worden und sollten den nächsten Tag auf die Reise gehen. Es ist schwer, alles aufzuzählen. Es waren unsagbare Eindrücke, die hier zusammenkamen.

Bugatti T. 57C Atalante

 

Die Werkstatt von Bill WatsonDie GLAS warten auf ihre Restaurierung

Erst jetzt ging Bill mit uns in seine eigene Halle. Hier gab es einen BMW 2002, ein wunderschönes BMW E 9 Renncoupé und auch ein 3er BMW Rennsport, alle in der BMW Rennfarbe Weiß zu sehen. Bill zeigte uns Motoren von Formel 2 und M3, die er gerade neu aufbaute. Dabei holte er uns Pleuel aus Titan herbei, von denen eines 1.500 $ kostete. Viele Teile wurden individuell angefertigt. Er hatte auch das Geschick, die Teile aus verschiedenen Modellen zu kombinieren und dadurch individuell Motoren zu verbessern. Es wurde ein langer Abend, an den wir noch lange zurückdenken werden.

Die Golden Gate Bridge war meist im  NebelAm nächsten Tag erreichten wir San Francisco. Als wir über die Golden Gate Bridge in die Stadt fuhren, lag die berühmte Brücke total im Nebel. Wir wunderten uns später nicht, dass es selbst auf Postkarten die Brücke vernebelt abgebildet war. Später hatten wir Gelegenheit, die Brücke in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen.

Man kann tagelang in San Francisco verbringen, doch wir hatten nicht viel Zeit und beschränkten uns auf das Wesentlichste. Dazu zählten eine Stadtrundfahrt in einem offenen Doppeldeckerbus, der Besuch von Pier 39 mit seinen heute sehr bekannten Seehunden, die Fisherman’s Wharf und die Lombardstreet mit ihren vielen Kurven und Blumen. Es war schön anzusehen, wie sich die Autos die steile Straße herunter schlängelten. Sehr beeindruckend war auch die Besichtigung des berühmten Gefängnisses von Alcatraz, welches heute ein nationales Museum ist. Das Cable Car sparten wir uns, nachdem wir die Schlange mit einer Stunde Wartezeit gesehen hatten.

 

 

 

Die PCC Wagen der F- Line sind die Alternative zum Cable carLombardstreet

AlcatrazDie Seelöwen auf Pier39

 

 

That’s my Baby

Andrea und ihr GLASDie Schätze liegen im Wohnzimmer

Am nächsten morgen ging es weiter zu Andrea Moore, die ein GLAS 1700 GT besitzt. Wie kommt eine junge Frau zu solch einem Auto? Das war unsere erste Frage, als wir Andrea bei ihrer Mutter Judy mit Lebensgefährte Doug in der Nähe von San Francisco besuchten.

Hier steht noch etwas Arbeit bevorDie ganze Familie unterstützt das GLAS-Projekt

Wir wurden von der Familie ganz herzlich aufgenommen und Andrea erzählte, dass sie vor zwei Jahren mit Doug einen Freund besuchte, der den GLAS besaß. Andrea verliebte sich sofort in das Auto und der Freund schenkte ihr den Wagen. Sie trat in den GLAS Club ein und möchte das Auto gern fahren. Aber der GT muss jedoch erst noch restauriert werden. Die Karosserie ist in einem sehr ordentlichen Zustand und es sind nur ein paar kleine Schweißarbeiten notwendig. Wir suchen jetzt für Andrea technische Hilfe aus der Umgebung, denn mit solch einem Projekt hat die Familie keine Erfahrung. Mutter Judy zeigte uns in der Garage noch ein ganz tolles fahrbereites Ford V8 Coupé Baujahr 1934. Das hat Judy von ihrer Mutter geerbt und damit fährt sie zu Oldtimertreffen.

Yosemite National Park Wir verließen San Francisco und fuhren jetzt in das Landesinnere in den Yosemite Nationalpark. Am Eingang sahen wir riesige Gebiete mit verkohlten und beschädigten Bäumen. Hier hatte ein Waldbrand wenige Wochen zuvor verheerende Schäden angerichtet. Bald kamen wir in das beeindruckende Tal, welches von hohen massiven Felswänden umschlossen ist. Dieses herrliche waldreiche Gebiet wird von vielen Touristen besucht. Wir hatten Glück und konnten mitten im Park ein Zimmer bekommen.

Am nächsten Tag fuhren wir hoch zum Glaciers Point. Von dort hatten wir eine überwältigende Aussicht über das ganze Tal. Zum Abschluss ging es weiter nach Mariposa Grove, wo wieder sehr alte und dicke Sequoia Bäume, eine Abart der Redwoods, uns erwarteten. Noch einmal konnten wir die riesigen Bäume bewundern, die bereits viele hundert Jahre hinter sich haben.

Am Glaciers Point

Doch dann ging es weiter zu Kathleen und Tom Kerber nach Merced.

Im 1700 GT zum Honeymoon

Tom & Kathy KerberTom Kerber überraschte uns mit der Nachricht, dass er den GLAS bereits Ende 1967 gekauft hatte. Er ist somit einer von zwei bisher bekannten Erstbesitzern in den USA. Ein Freund von ihm arbeitete bei Harons Motor Sales. Als die Importfirma den neuen GLAS 1700 GT in den Verkaufsraum bekam, machte er Tom auf den Wagen aufmerksam. Das tolle Design und die Ausstattung gefielen Tom, so dass er den Wagen sofort kaufte.

Im Mai 1968 heiratete er seine Frau Kathleen und der GLAS wurde als Hochzeitswagen benutzt. In der Nacht hatte sein Schwager den ganzen Wagen nach altem Brauch mit Toilettenpapier eingewickelt. Aber das gefiel Tom überhaupt nicht. Er war so wütend, dass er das ganze Papier herunterriss und dabei die Antenne beschädigte. Ansonsten hatte das Paar aber viel Freude mit ihrem GLAS und wo immer sie hinkamen, staunten die Leute über das unbekannte Auto mit der rassigen Form.

 

Der GT 1968Hochzeit im GLAS GT

 Der GLAS GT 2013Bis 1978 nutzte Tom den Wagen im Alltagsbetrieb und er brachte ihn immer in der Nähe von San Francisco zu einer Werkstatt, die deutsche Fahrzeuge wartete. Als ihm aber bei einer Fahrt der Zahnriemen übersprang wurde eine Zwangspause eingelegt. Seit nunmehr 35 Jahren steht der GLAS zugedeckt in der Garage und hat bereits einige Umzüge der Familie mitgemacht. Tom ging in den amerikanischen GLAS Club, weil er hoffte, hier Ersatzteile zu bekommen. Seit 2005 ist er Mitglied in unserem Club und er möchte jetzt wieder den Motor reparieren und den Wagen fahrfertig machen.

Nach einem netten gemeinsamen Abend fuhren wir den nächsten Tag an riesigen Gemüse- und Obstfeldern vorbei an die Küste auf den berühmten Highway No. 1 Richtung Los Angeles. Der Highway schlängelt sich meilenweit zwischen Bergen und Pazifik entlang. Die Landschaft ist mit ihrer sehr unterschiedlichen Vegetation sehr beeindruckend. Kurz vor Los Angeles ging es wieder ins Landesinnere, erst durch ein tolles Wüstengebiet, wo uns kaum Fahrzeuge begegneten, dann hinauf in die Berge. Nach einigen Stunden Fahrt trafen wir in Cuddy Valley Steve Smashey.

Wir hatten bei unseren bisherigen Besuchen bei den GLAS- Besitzern schon sehr viel erlebt und langsam näherten wir uns Los Angeles, der größten Stadt Kaliforniens mit einer Fläche von 1290 qkm, 71 km lang und 47 km breit. Wir waren gespannt, was uns dort erwartete. Doch zuvor ging es noch weg von der Küste in die Berge zu Steve Smashey.


46 Jahre in erster Hand

 

Steve Smashey und sein GTSteve Smashey ist der zweite Erstbesitzer eines GLAS 1700 GT. Er wohnt mitten in den Bergen in einer herrlichen Landschaft auf einer Ranch im Frazier Park. Dieser liegt ungefähr 80 Meilen nordwestlich von Los Angeles.

Er erwartete uns bereits am Eingang. Zuerst entdeckten wir einen Ford Pickup mit 8 Zyl. Flathead-Motor Baujahr 1940. Der 74 Jahre alte Wagen war komplett mit Flugrost überzogen, war aber voll fahrbereit und original. Eine herrliche Patina. Steve nutzt ihn jeden Tag und hatte ihn aus erster Hand gekauft.

In der benachbarten Scheune stand der GLAS 1700 GT, der in einem sehr guten Zustand und fahrbereit war. Er hat ihn viele Jahre im Alltag genutzt und dann eingelagert. Vor acht Jahren hat er ihn dann wieder herausgeholt und fahrfertig gemacht. Er hat auch noch ein anderes Hobby, nämlich mit einem superschnellen Wagen auf den Salzseen Rennen zu fahren. Mit einem 4-Zylinder Motor hat er den Rekord für den schnellsten Wagen in seiner Klasse erreicht.

Seine Frau züchtet Lamas und AlpakkasFord Pickup 1940

Wir verbrachten einige Stunden bei Steve, in denen er uns die Geschichte seines GLAS erzählte. Darüber werden wir demnächst berichten. Am späten Nachmittag mussten wir weiter, denn wir wurden wieder erwartet.

25 Autos warten auf Roy Marson

Roy´s GLAS 1700 GT

Am Eingang wartet dieser DKWCa. 30 Meilen vor Los Angeles wohnt Roy Marson mit seiner Frau Carol auf einem riesigen Grundstück, welches er zum größten Teil an eine Gärtnerei vermietet hat. Am Eingang standen ein seltener DKW 1000 Universal und zwei Citroën ID 19 Break mit entsprechender Patina. Roy begrüßte uns ganz herzlich und führte uns durch sein Grundstück, wo er 25 Fahrzeuge beherbergt. Die Fahrzeuge befanden sich in jeglichem Zustand, die oft noch mit viel Arbeit auf eine Restauration warten.

Der GLAS 1700 GT stand in einer Halle und Roy hatte ihn extra für uns gewaschen. 2002 hatte er den nicht fahrbereiten GT für 1.100 $ gekauft. Zuerst musste er ihn zum Laufen zu bringen. Zu einem Deutschland Besuch 2005 in Dingolfing hatte er die Vergaser mitgenommen und wollte sie dort richten lassen.

Am Abend erzählte er uns seine GeschichteDoch er hatte nicht genug Zeit und so nahm er sie wieder zurück in die USA. Hier fand er dann einen Spezialisten, der die Vergaser überholte. Anschließend baute er noch ein anderes Getriebe ein. Dann brachte er den Wagen nach Mexiko, wo er die Innenausstattung und den Himmel erneuern ließ. Leider hatte Roy beruflich so viel zu tun, dass der GLAS auf weitere Restaurationsarbeiten warten musste. Doch bald hört Roy auf zu arbeiten und dann will er den GLAS wieder in Angriff nehmen. Nach einem gemeinsamen Abendessen verließen wir unsere sympathischen Gastgeber und fuhren am nächsten Morgen direkt nach Los Angeles.

Das chinesische Theater in LA

Auf über 1.200 qkm breitet sich die Stadt mit ihren Vororten aus. Die auf beiden Seiten sechsspurige Autobahn war vollgestopft mit Fahrzeugen, eine kilometerlange Schlange erwartete uns. Aber man hatte hier ein System ausgeklügelt, das Fahrzeugen erlaubte, wenn sie mit mehr als einer Person besetzt waren, auf einer separaten Express-Spur an der ganzen Schlange vorbeizufahren. Das half uns enorm und wir sahen jetzt erst richtig das Ausmaß des Verkehrschaos‘. Los Angeles hat sicher eines der größten Verkehrsaufkommen der Welt. Da es nur einen schwach ausgebauten öffentlichen Nahverkehr gibt, benutzt jeder sein Auto und es kommt zu diesen riesigen Staus. Aber die Menschen nehmen es gelassen, sie kennen es ja nicht anders.

Show am Hollywood BoulevardLustige Leute am Venice Beach

Shops am Rodeo DriveDie Stadt zeigte dann ihren ganzen Reichtum mit wunderbaren Villen in Beverley Hills und vielen anderen Stadtvierteln. Im dichten Verkehr konnte man immer wieder schöne alte Ferrari, Maserati, Porsche und vieles mehr entdecken. Wir fuhren auf den berühmten Straßen wie Sunset Boulevard und dem Hollywood Boulevard, wo wir den Eingang vor dem Chinesischen Theater besuchten. Dort hatten viele berühmte Schauspieler sich mit ihren Hand- und Fußabdrücken verewigt. Auf dem Rodeo Drive befinden sich die teuren Geschäfte, in welche bestimmt viele Frauen gerne einmal einen Blick werfen würden.

 

Nur 1.000 Meilen in 40 Jahren

Tom und sein GLASIn Santa Ana, ca. 40 Meilen südöstlich von Los Angeles, trafen wir Tom Lansberry. Ein Freund von ihm hatte den GLAS 1967 neu gekauft. Später verkaufte dieser ihn an einen weiteren Freund, der ihn für seine Frau haben wollte. Zu dieser Zeit lief der Wagen nicht, da der Lüfter den Kühler zerstört hatte. Tom half, den Wagen wieder zu reparieren und auf die Straße zu bringen. Die Frau des Freundes wollte den ehemals weißen Wagen gern in Silber haben und so wurde der Wagen umlackiert. Doch leider konnte die Frau aufgrund einer Operation das manuelle Getriebe nicht mehr bedienen.

So konnte Tom den GLAS dann im Jahr 1973 kaufen. Zu diesem Zeitpunkt zeigte der Tachometer ganze 35.250 Meilen an. Heute, 40 Jahre später, sind dort genau 36.284 Meilen abzulesen!

Im Laufe der Jahre blätterte das Silbermetallic ab und Tom ließ den GT wieder in dem originalen Weiß lackieren. 1975 wurde sein Haus gebaut und der GLAS zog mit in die Garage ein, wo er viele Jahre unberührt verbrachte. In dieser Zeit war er immer angemeldet und konnte jederzeit gefahren werden. Als 2005 in der Garage ein Feuer ausbrach, wurde der Lack beschädigt. Daraufhin ließ Tom den Wagen schwarz grundieren. Auch die Windschutzscheibe wurde beim Brand zerstört. Er hat sie durch eine Plexiglasscheibe ersetzen lassen, da es in den USA keine passende Glasscheibe gab. Bisher hat Tom sich noch nicht entschieden, welche Farbe das Fahrzeug erhalten soll. Jetzt möchte er gern den Wagen verkaufen.

Wir haben den Wagen Probe gefahren. Der Motor läuft fantastisch mit sehr großer Laufruhe. Die Karosserie sieht rostfrei aus. Einige Blasen auf der Motorhaube könnten durch fehlerhafte Lackierung entstanden sein. Einiges wie z.B. alle Gummiteile muss erneuert werden. Fazit: Eine gute Basis, die keine Schweißarbeiten benötigt, aber sonst noch etwas Arbeit und eine Lackierung braucht.

Besuch bei einem Karmann Ghia

VW Karmann Ghia 1959Nun stand in Kalifornien nur noch der Besuch bei Doreen und Peter Friedrichsen an. Peter war früher Mitglied im GLAS Automobilclub und er besaß den gelben GLAS 1300 GT, den Chris Wider 2010 gekauft hatte. Er ist aus Deutschland ausgewandert und hatte in Los Angeles eine Volkswagen-Vertretung betrieben. Jetzt lebt er mit seiner Familie in den Bergen in der Nähe von Los Angeles. Mit einem GLAS konnte er nicht mehr aufwarten, aber er zeigte uns ein wunderschönes VW Karman Ghia Cabrio Baujahr 1959. Dieses hatte er Anfang der 60er Jahre seiner Frau geschenkt. Der Wagen war im Originalzustand mit einer wunderschönen Patina. Wir verbrachten mit dem Ehepaar einen sehr schönen Nachmittag und zusammen genossen wir ein tolles Abendessen.

Wir haben auf unserer Tour sehr viel gesehen und sehr viele nette Menschen, die durch die Marke GLAS und den Club verbunden sind, kennengelernt. Unbeschreibliche Eindrücke sind uns geblieben. Leider konnten wir nicht noch mehr Mitglieder besuchen, dafür hat die Zeit nicht gereicht.


 

Von Kalifornien zurück an die Ostküste

Am Sonntag, den 27. Oktober 2013 brachte uns das Flugzeug wieder zurück nach New York. Mit dem Auto ging es dann nach Norwalk, 50 Meilen nordöstlich von New York City, wo Axel Cölln lebt.

Axel- über 20 Jahre GLAS Automobilclub e.V.

Axel Cölln

Axel Cölln machte 1965 im Alter von 20 Jahren seine ersten Erfahrungen mit GLAS. Er hatte sich einen Isar gekauft. Diese „Bekanntschaft“ dauerte aber nur zwei Jahre, weil Axel 1967 in die USA auswanderte. Inzwischen hat er die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Als er 1990 auf einem Schrottplatz einen GLAS 1700 GT entdeckte, erinnerte er sich wieder an die Marke und der Wagen wurde gekauft. 1991 trat Axel in den GLAS Automobilclub ein und besuchte 1992 sein erstes Jahrestreffen in Saalfelden. Mittlerweile erfolgten viele Treffen und Axel ist unser langjährigstes Mitglied in den USA geworden. Er betreut dort alle GLAS Enthusiasten und der Stamm ist mittlerweile auf 20 Mitglieder gewachsen.

Seinen komplett restaurierten GLAS 1700 GT hatte er inzwischen wieder verkauft. Stattdessen erwarb er im Jahr 1996 ein GLAS 1300 GT Cabrio. Nach der Restauration befindet sich dieses Fahrzeug in einem perfekten Zustand. Hinzu kaufte er 2009 einen in den USA seltenen BMW 1600 GT mit Schiebedach.

Mit Axel bin ich seit über 20 Jahren befreundet und so kam es zu dieser außergewöhnlichen Reise. Aber sie war noch nicht zu Ende. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es weiter Richtung Boston.

 

 

Hier wohnt AxelAxel´s Garage

100 Autos und mehr

Charles und sein MaicomobilZuerst trafen wir Charles Gould, den wir bereits letztes Jahr besucht hatten. Der Leser erinnert sich vielleicht an den Bericht in den GCN 105, wo wir mit dem Amphicar über einen See gefahren sind. Charles hatte seine beiden Hallen aufgeräumt und neu organisiert. Außerdem sind einige Fahrzeuge neu hinzugekommen.

Charles fuhr mit uns mit seinem Citroen DS 20 zum Mittagessen. Der Wagen hat eine Halbautomatik und Lenkradschaltung. Wir machten eine ganz neue Erfahrung, als der Citroen gestartet wurde. Man dreht zuerst den Zündschlüssel herum und drückt den Schalthebel ganz nach links. Erst dann springt er an!

 

 

 

Bei Chris in gemütlicher Atmosphäre

ChrisNach dem Essen und einer Stunde Fahrt trafen wir Chris Wider. Er hat in Norfolk/Massachusetts ein wunderschön restauriertes altes Haus, welches sehr liebevoll mit tollem altem Mobiliar ausgestattet ist und eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlt. In der Scheune beherbergt er zwei Esel und eine große Hühnerfamilie. In der Garage stehen ein Porsche 912, ein Porsche 914, ein Nash Metropolitan, ein Vespa 400, ein VW 181, genannt Thing, und ein gelber GLAS 1300 GT. Alle sind wunderschön restauriert. Es warten jetzt noch ein paar Goggomobile darauf, auch in diesen Zustand versetzt zu werden. - Gemeinsam nahmen wir bei Chris unser Abendessen ein und übernachteten bei ihm.

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Norwalk. Unsere große Reise war zu Ende. Ich blieb noch ein paar Tage bei Axel und flog dann Anfang November zurück nach München. Geblieben sind die vielen netten Erinnerungen, die ich hier niedergeschrieben habe.

Das wunderschöne alte HausChris liebt seine Esel

Glas 1300 GT 1965Chris Garage

 

Uwe Gusen