
Die Geschichte der Marke GLAS ist ein beeindruckendes Stück deutscher Industriegeschichte – geprägt von niederbayerischem Pioniergeist, rasantem Aufstieg und automobiler Innovation.
Vom Landmaschinenbauer zum Mobilitätspionier
Was im 19. Jahrhundert als Schmiede und Landmaschinenfabrik begann, entwickelte sich unter der Führung der Familie Glas zu einem bedeutenden Industrieunternehmen. Nachdem 1860 in Freising die erste Landmaschinenfabrik Bayerns entstand, legte Andreas Glas 1890 in Pilsting und schließlich in Dingolfing den Grundstein für die weltbekannten GLAS Werke. Mit der legendären Isaria-Sämaschine stieg das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Großbetrieb mit über 1.000 Mitarbeitern auf.
Als der Landmaschinenmarkt stagnierte, bewies die Konstruktionsleitung Weitblick:
1951 – Der Goggo-Roller: Inspiriert vom italienischen Strassenbild stieg GLAS in die Zweiradproduktion ein. Der Roller wurde ein Verkaufsschlager (fast 47.000 Stück bis 1954).
1955 – Das Goggomobil: Der Durchbruch als Automobilhersteller. Das sympathische und erschwingliche Kleinstauto wurde mit über 280.000 verkauften Exemplaren weltweit zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders.
In den 1960er-Jahren entwickelte sich GLAS technisch extrem dynamisch weiter:
Pionier der Motorentechnik: Die Modellreihe GLAS 04 führte als weltweit erste Großserie den Zahnriemen für oberliegende Nockenwellen ein.
Italienisches Design & Luxus: In Zusammenarbeit mit dem Designer Pietro Frua entstanden elegante Sportcoupés (GLAS GT, Typ 1700) und schließlich der imposante GLAS V8 ("Glaserati").
Der mutige Vorstoß in die Mittel- und Luxusklasse überforderte letztlich die finanziellen Kapazitäten des Familienbetriebs. 1966 übernahm die BMW AG das Unternehmen. Die Werke in Dingolfing wurden zum zentralen Rückgrat der heutigen BMW-Produktion – das Erbe des Visionärs Hans Glas wirkt damit bis heute fort.
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