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53. Jahrestreffen in Weißenhorn

Wie man als 16jähriger eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker, Parkplatzeinweiser, Navigator und Abschleppdienstler binnen eines einzigen Wochenendes absolviert? Das erfuhr Leander Buberl, der von seinem spannenden Pfingstwochenende in der schwäbischen Fuggerstadt Weißenhorn erzählt.

Beitrag aus GLAS Clubnachrichten Ausgabe 143

Mittwoch & Donnerstag

Jahrelange Vorbereitungsphasen nähern sich dem heißen Ende. Nach unzähligem Formularen, Terminen, Anträgen, viel Zeit und strapazierten Nerven ist endlich der Anfang vom Ende in Sicht – oder besser gesagt: die eigentliche Veranstaltung. Nach der Schlüsselübergabe für die Weißenhorner Stadthalle schien das vermeintlich Unmögliche ganz nah zu sein. So wurde die noch leerstehende Halle erst einmal gründlich mit Fahnen, Bannern, frischen Birken und Plakaten „glasifiziert“. Dem GLAS-Treffen 2026 in Weißenhorn kann also – hoffentlich – nichts mehr im Wege stehen.

Freitag

Es ist ein wahnsinnig schöner Tag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und ich nehme den Tag als noch schöner wahr, als ich meine Schulbefreiung am Morgen auf dem Esszimmertisch liegen sehe. Ich setzte mich in die Goggo-Limousine meiner Mutter, öffnete das Rolldach und wir fuhren nach Weißenhorn, wo uns die festlich geschmückte Festhalle, ein noch leerer Stadtpark und ein nervöser Organisator erwarteten.

Rund 120 GLAS-Fahrzeuge aus aller Welt sollten heute in dem idyllischen, schwäbischen Fuggerstädtchen eintreffen. Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Dänemark und sogar Australien waren vertreten. David Bergman verbrachte mit seinem echten australischen Exoten, einem Goggomobil Carryall, im Zuge seiner „Carryall Expedition to Germany 2026“ die Zeit dieses Wochenendes ebenfalls in Weißenhorn.

Ab 10 Uhr füllte sich der Stadtpark Stück für Stück, und für einen Moment schien es so, als wäre die Welt der Automobile wieder heil, bunt und vielfältig. Im Foyer herrschte durch den beim Empfang ausgeschenkten Sekt direkt gute Stimmung. Wegen des schönen Wetters zog es die Leute nach draußen, wo der eine oder andere mit Campingstühlen vor seinem Gefährt saß. Schaulustige und Gleichgesinnte bildeten schnell nette Gruppen.

Ich bekam den Auftrag, die Teilnehmer mit Anhängern und Wohnmobilen mit meiner bedingt vorhandenen Weißenhorner Ortskenntnis zum ausgewählten Parkplatz zu lotsen. So begleitete ich an diesem Nachmittag Fahrer für Fahrer durch die engen Gassen der Innenstadt. Nachdem auch eine grüne GLAS 1700 Limousine vom Anhänger abgeladen war und ich für den Besitzer im Hotel eingecheckt hatte, war meine Nachmittagsschicht beendet.

Gegen Abend hieß der Organisator Siggi Haisch noch einmal alle Teilnehmer zum Treffen herzlich willkommen und eröffnete das Buffet. Am Samstag stand die Jahreshauptversammlung auf dem Programm. Neben zukünftigen Lösungen für die Ersatzteilbeschaffung und die Präsenz auf Messen, wurde unser Ex-Redakteur Jürgen Böttger angesichts seiner jahrelangen Verdienste um die GLAS-Club-Nachrichten zum Ehrenmitglied des Clubs ernannt. Mit den Worten „Da habt ihr mich jetzt total überfahren!“ nahm er dankend und lachend seine Ehrenmitgliedschaft an. Lieber Jürgen, wir wünschen dir nur das Beste für die Zukunft!

Mittags hatten die Clubmitglieder die Wahl zwischen Gulaschsuppe, Käsespätzle oder dem inzwischen aufgebauten Teilemarkt. Gestärkt verlebten wir einen weiteren Nachmittag bei schönstem Wetter in Weißenhorn. Egal ob Stadtführungen, selbstständige Ausfahrten in die mittelschwäbische Landschaft, Eisessen oder gemütliches Zusammensitzen im Stadtpark – jeder genoss die Zeit auf seine Weise, getreu dem passend gewählten Motto: „Fußläufig und gesellig in Weißenhorn.“

Der Abend wurde durch die Bürgermeisterin Weißenhorns, Kerstin Lutz, eingeleitet: „Zwischen der Marke GLAS und der Stadt Weißenhorn lassen sich durchaus Parallelen erkennen. Beide sind etwas Seltenes und in ihrer Art historisch einzigartig, unbekannt und doch dauerhaft präsent. Es freut mich, dass ein solch großer internationaler Club auch Kleinstädte wie uns ansteuert.“

Sonntag

Der Klang von kleinen Zweitaktern bis hin zu kräftigen V8-Motoren ließ den dritten Tag in Weißenhorn beginnen. Es ist der Tag der großen Ausfahrt. Der Tag, an dem der berühmt-berüchtigte Wanderpokal – unsere Kuhglocke – nur darauf wartet, weitergegeben zu werden. Dazu später mehr. Ich hatte die große Ehre, bei unserem Präsidenten Thomas Schneider mitzufahren. Wir waren das Abschlussfahrzeug des allseits bekannten „Rosenheimer Abbiegesystems“. Gemeinsam mit seinem 1304 CL „Quickservice“ bildeten wir also „Die Drei von der Tankstelle“.

Nach einer kurzen Besprechung mit Siggi Haisch waren alle zur Abfahrt bereit. Thomas und ich stellten uns startbereit vor die Ausfahrt und beobachteten, wie ein GLAS-Automobil nach dem anderen – teils knatternd, teils hupend oder beides – an uns vorbeizog. Schließlich hatten die letzten Fahrzeuge den Festplatz verlassen und wir konnten endlich auch losfahren. Unser Ziel war das Steiff-Museum in Giengen an der Brenz.

In der Heimat der weltberühmten Plüschtiere mit dem unverkennbaren „Knopf im Ohr“, dreht sich alles um Margarete Steiff und ihre flauschigen Kreationen. Das Museum ist ein echtes Erlebnis: Im Rundgang taucht man in eine animierte Stofftierwelt ein, die nicht nur Kinderaugen leuchten lässt.

Wir scherzten darüber, wie lange es wohl dauern würde, bis wir als Pannendienst unseren ersten Auftrag bekommen. Die Antwort erhielten wir exakt eine Stunde später: Der weiße 1300 GT von Gunter Liebig ging während der Fahrt immer wieder aus. Die elektrische Benzinpumpe war defekt. Das konnte vor Ort leider nicht behoben werden. So wartete auf Thomas und mich eine Abschleppaktion wie aus dem Bilderbuch. Wir fuhren also gemeinsam mit einem weißen Bremsbock – äh, GT – im Schlepptau zuerst zu einer Tankstelle und dann über die Schnellstraße zum Steiff-Museum. Bei unserer Ankunft brachen die ersten Teilnehmer schon wieder zum nächsten Tourpunkt auf. Der GT durfte – dank der netten Chefin des Museums, Monika Pürckhauer – auf dem Parkplatz stehen bleiben und auf den richtigen Abschleppdienst warten.

Bei einer kurzen Pause im museumseigenen Biergarten trat eine weitere Panne auf, die jeden Anwesenden zum Schmunzeln brachte: Ein ominöses, gelb-palomagraues Goggomobil-Coupé, das laut vertraulichen Quellen vom Organisator selbst gefahren wurde, hatte auf dem Hinweg kleinere Aussetzer aufgrund einer defekten Zündkerze. Noch nie in der Geschichte des Clubs hatte auf einem GLAS-Treffen der Organisator selbst eine Panne! Dies beweist wohl, dass niemand vom Unglück verschont bleibt. Als wir die Weiterfahrt vom Museum antreten wollten, streikte dann auch noch vor uns der BMW von Knut und Rosa Reinke. Die Batterie war wohl zu schwach, um die Berliner Besitzer weiterzubringen.

Schließlich fuhren wir zum zweiten Ziel des Tages weiter, der rund 15 Kilometer entfernten Charlottenhöhle. Dort erwartete uns ein Imbiss. Nach einiger Zeit ging es dann auch schon wieder weiter durch das schöne Lontal. Das Lontal ist übrigens eine ganz besondere Ecke Baden-Württembergs: Es gehört zum UNESCO-Welterbe, weil Archäologen dort in den Höhlen die ältesten Kunstwerke der Menschheit gefunden haben. Aber auch über der Erde ist das Tal ein absoluter Traum für Oldtimer-Fahrer – kurvige, idyllische Straßen schlängeln sich durch eine unberührte Natur, gesäumt von Felsen und Wäldern. Genau die richtige Kulisse für unsere fahrenden Unikate.

Wir fuhren immer weiter in Richtung Heimat, wo uns in Pfaffenhofen an der Roth die Bäckerei Brenner und der Pfundig-Verein zu Kaffee und Kuchen erwarteten. Manche fuhren auch direkt wieder nach Weißenhorn, um ein kühles Eis in der Innenstadt zu genießen – so auch Thomas und ich.

Nach der Ankunft im Weißenhorner Stadtpark gab noch zwei weitere „Pannen“: Ein dunkelgrünes Berliner GT-Cabriolet wurde aufgrund seines längst überfälligen HU-Aufklebers am hinteren Kennzeichen von der Polizei angehalten. Zudem traf die Hitze wohl auch noch ein Goggo-Coupé, das leider eine Steintreppe an einem Gebäude übersah und diese unsanft touchierte.

Ganze fünf Kandidaten für die Kuhglocke – die Spannung stieg. Bis zur Abendveranstaltung vertrieb ich mir die Zeit mit Robert Kaufmann und Marco Schwörer, indem wir in Marcos wunderschön hergerichtetem Goggomobil-Transporter die Weißenhorner Innenstadt unsicher machten.

Gegen 20 Uhr war es dann so weit. Der Vorstand versammelte sich auf der Bühne, um das Ende eines weiteren gelungenen GLAS-Club-Treffens zu verkünden und die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Langjährige Clubmitglieder wurden geehrt, für 50 Jahre Ulli vom Scheidt, und für 25 Jahre Robert Kaufmann und Hermann Kuhn. Dann wurde unter den fünf diesjährigen Pechvögeln ausgelost. Annika Thanner war unsere Glücksfee und zog den Batteriedefekt des BMWs von Rosa und Knut Reinke. Gratulation – oder was auch immer man in so einer Situation wünscht.

Danach betrat unser österreichischer Korrespondent Michael Semrad die Bühne, um das im nächsten Jahr stattfindende GLAS-Club-Treffen in Wien beziehungsweise Brunn am Gebirge vorzustellen. Abschließend eröffnete Siggi Haisch das Buffet, bedankte sich und verabschiedete die ersten Teilnehmer, die von ihrem Arbeitgeber leider kein verlängertes Wochenende bekommen hatten, um auch am Montag noch dabei zu sein.

Zudem sollte heute noch etwas ganz Besonderes geschehen: Mit viel Liebe zum Detail hatte Beate Haisch eine originalgetreue Werkzeugtasche mit GLAS-Club-Logo geschneidert und stellte sie für die Versteigerung zur Verfügung. Der Erlös sollte der Jugend des Helferteams zugute kommen, zu der wir zu viert gehörten. Schlussendlich wurde das Meisterstück für einen stattlichen Betrag an das Schweizer Ehepaar Judith und Heiner Geering versteigert. In meiner Funktion als Jugendvertreter bedankte ich mich schließlich von ganzem Herzen bei den beiden. Und nochmals ein riesiges Dankeschön an Judith und Heiner sowie natürlich an Beate, die diese tolle Idee hatte. Danke! Wir wissen so etwas wirklich sehr zu schätzen.

Nach dem Essen ergriff Thomas Schneider noch einmal das Wort. Er lobte das Treffen und bat das Organisationsteam mit seinen „kleinen Helferlein“ auf die Bühne, die angesichts der investierten Mühen ein Präsent überreicht bekamen (Herzlichen Dank an dieser Stelle!). Der Abend wurde durch intensiven Barbetrieb bis in die späten Stunden abgerundet. So erhielt unser Schriftführer Ralf Bössner pünktlich um Mitternacht per WhatsApp ein Video mit einem Geburtstagsständchen von 13 leicht angetrunkenen Gestalten. Der Club ist schließlich eine harmonische und authentische Familie.

Montag (Finale)

Zu unserer Freude sind noch einige GLAS-Fahrzeuge geblieben. Nachdem Siggi noch einmal auf das Rosenheimer Abbiegesystem hingewiesen hatte (was heute unerwarteterweise noch die komplette Ausfahrt durcheinanderbringen sollte), konnten wir unsere geplante Tour ins Unterallgäu starten. Diese landschaftlich traumhafte Region im schwäbischen Alpenvorland bietet mit ihren hügeligen Landstraßen und idyllischen Dörfern die ideale Route für unsere Schätze. Hier lässt es sich abseits des großen Verkehrs entspannt und flüssig fahren – und genau das brauchen wir.

Diesmal saß ich ganz vorne im Führungsfahrzeug bei Siggi und wies während der Ausfahrt die Teilnehmer mit meiner roten Kelle durch das im Coupé verbaute Rolldach auf ihre Plätze. Die Fahrt verlief zunächst super, jedoch fragten wir uns nach 50 Kilometern, wo auf einmal die ganzen anderen Fahrzeuge abgeblieben waren, denn in immer kürzeren Abständen tauchten dieselben Autos hinter uns auf. Wir hielten deshalb an und entschlossen uns, auf die restlichen Autos zu warten. Anscheinend hat sich wieder jemand mit dem Abbiegesystem vertan…

Als nach einiger Zeit und einigen Schweißausbrüchen dann auch die letzten Fahrzeuge wieder bei uns eingetroffen waren, konnten wir die Fahrt fortsetzen. Ziel war die Roggenschenke im von Weißenhorn benachbarten Dorf Roggenburg. In dieser bekamen wir vom Wirt sogar einen Spezialparkplatz zugewiesen, und so umzingelte eine ganze Schar von GLAS-Fahrzeugen das Lokal. Frisch gestärkt fuhren wir wieder zurück nach Weißenhorn, wo das offizielle Ende der Veranstaltung eingeläutet wurde.

Für uns Helferlein war es damit allerdings noch längst nicht getan. Schließlich musste die gesamte Halle wieder aufgeräumt und übergabefertig gemacht werden. Einige Stunden später verabschiedeten wir uns schließlich und fuhren heim – meine Mutter und ich wieder in der Goggo Limousine. Zu Hause angekommen, schloss ich noch meine letzten Beiträge für den Instagram-Account des Clubs ab und legte mich wohlverdient schlafen.

Fazit

Es war wieder einmal ein unvergesslich schönes Pfingstwochenende für den GLAS Club. Vielen herzlichen Dank an Siggi und Beate Haisch, die dieses Treffen überhaupt erst möglich gemacht haben. Vielen Dank an alle Sponsoren, anderweitige Unterstützer und die Stadt Weißenhorn. Und ein ganz besonderer Dank natürlich an euch Teilnehmer! Mit euch lebt die Marke GLAS trotz ihrer Nichtexistenz mit Herzblut und Freude weiter.

Wir hoffen, dass das Treffen im Vergleich zum groß aufgezogenen Vorjahr in Dingolfing ein ebenso schönes Erlebnis für jeden war und in guter Erinnerung bleibt. Wir wünschen Michael Semrad weiterhin viel Erfolg bei der Planung des nächsten Treffens. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn es heißt: „Servus Wien“ oder „Vienna Calling“.